

Zur neuen Website
Waren über Jahre hauptsächlich Referenzen zu meinen bisherigen Arbeiten der Hauptgegenstand dieser Website, so habe ich mich jetzt dazu entschlossen, dem Persönlichen und Essayistischen mehr Platz einzuräumen. Wie sagte doch ein befreundeter Handwerksmeister und Website-Inhaber: "Ich habe eigentlich keine Lust, im Rahmen meines Internetauftrittes nur langweilige Pflichtsätze zu veröffentlichen. Ich möchte an meiner eigenen Site auch ein wenig Freude haben."
Ein irgendwie anmaßender Gedanke, dachte ich zunächst. Denn wenn man über seine Website Aufträge akquirieren und an Kunden kommen möchte, so sollte man doch deren Erwartungshaltung erfüllen. Nun zeigt die Erfahrung aber, dass a.) die Erwartungshaltungen möglicher Kunden sehr unterschiedlich sein können und b.) es von vielen Besuchern geschätzt wird, einmal etwas Ungewöhnliches oder auch Unerwartetes zu sehen und zu lesen. Denn schließlich sind wir hier ja auch nicht bei koofmich.com, um es einmal etwas pointiert auszudrücken.
Also, in diesem Sinne, mutig voran auf dem neuen Weg. Und auf diesem auch gleich zum ersten Beitrag:
Die neue Bürgernähe (reine Fiktion)
Wiesbaden, April 2011
Die Mitglieder der Hessischen Landesregierung haben in ihrer letzten Sitzung vor der Osterpause einstimmig beschlossen, dass sie ab sofort
"nur noch mache, was se wolle!"
Regierungssprecher Homburger sagte vor lokalen und regionalen Pressevertretern:
"Die Regierungsmitglieder des Landes Hessen sind nach intensiven und konstruktiven Verhandlungen zu dem einstimmigen Beschluss gelangt, im Interesse der Bürgerinnen und Bürger Hessens ab sofort nur noch 'das zu mache, was se wolle.' Wir kommen damit in Hessen dem eigentlichen und tief empfundenen Begehren der Bürgerinnen und Bürger eines der wirtschaftlich stärksten Bundesländer nach und nehmen im Sinne der Wahrnehmung von Wählerinteressen bundesweit eine absolute Vorreiterrolle ein. Zahlreiche Gespräche mit der politischen Basis im Lande sind ausschlaggebend gewesen für diesen politisch mutigen Schritt."
Die Landesregierung habe immer großen Wert darauf gelegt, den Bürgerwillen politisch umzusetzen und sei daher zu der Überzeugung gelangt, dass dieser Bürgerwille "an sich" zwar teilweise divergierend und inhomogen sei, als tragfähige Basis für politische Entscheidungen könne er aber gerade in seiner natürlichsten und ursprünglichsten Form sehr wohl dienen. Daher habe man sich erfreulich zügig und ohne "viel Geschiss" auf den mehrheitlich im Lande geltenden Minimalkonsens "Die da obbe mache ja sowieso, was se wolle!" einigen können.
Die neue politische Philosophie der Landesegierung - so der Regierungssprecher - zeichne sich durch mehr Klarheit und Offenheit gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern aus und mache politische Entscheidungen, jenseits von Rededuell und inszeniertem Schlagabtausch, ehrlicher und besser nachvollziehbar für alle politisch Interessierten. Ein "brutalst möglicher Quantensprung", so der Sprecher, der bereits unter Koch gedient hat.
Ein weiterer Vorteil der neuen Regelung, die sofort in Kraft trete, liege besonders auch darin, den Konflikt zwischen Imperativem Mandat und der Gewissensfreiheit des/der Abgeordneten ein für alle mal beilegen zu können. Habe der/die Gewählte bisher nie genau zwischen beidem zu unterscheiden gewusst, sei mit der neuen einheitlichen Regelung ein Modus Operandi gefunden, der den politisch Verantwortlichen zwar nicht unbedingt neue Handlungsspielräume eröffne, sie in ihren Entscheidungen aber sicherer und vor allem volksnäher mache.
Erste Entscheidungen, die sich an diesem neu gefassten Entschluss messen lassen müssen, soll es nach Auskunft des Regierungssprechers bereits in den ersten Wochen nach der Osterpause geben.
Schläft ein Lied in allen Dingen ...
Lob des Unzeitgemäßen
Heutzutage muss alles digital sein? Keineswegs. Denn ungeachtet aller Vorzüge der digitalen Technik kann es sich durchaus lohnen, ein paar analoge Dinge zu erhalten. Das Buch zum Beispiel. Oder den Plattenspieler. Beides miteinander kombiniert, dazu noch etwas Kerzenlicht, kann eine sehr angenehme Stimmung ergeben. Kommt dann noch ein Gläschen Wein dazu - natürlich auch analog - dann entfalten oft gerade die Schwächen des Nicht-Perfekten ihren ganz eigenen Reiz. Das sanfte Knistern der Schallplatte, dezent geadelt durch den guten alten Verstärker, das Flackern des Kerzenlichts, das Gefühl zerbrechlicher Beständigkeit, ausgehend von einem alten Buch: das sind Qualitäten, die das Digitale nicht kennt. Oder wenn, dannn allenfalls als Nachahmung.
Wieso aber ausgerechnet hier das Lob des Analogen, wo es doch kaum etwas Digitaleres gibt, als eine Internetseite? Weil eben der Zauber des Unzeitgemäßen gewürdigt werden soll, und dies kann durchaus auch digital geschehen.
Die Überschrift dieses Textes stammt übrigens aus dem Gedicht "Die Wünschelrute" von Joseph Freiherr v. Eichendorff, jenem romantischen Dichter und Schriftsteller, der mit seiner Erzählung "Aus dem Leben eines Taugenichts" nichts weniger tat, als dem Unzeitgemäßen, Unangepassten ein frühes und noch immer aktuelles Denkmal zu setzen.
Für Lyrik-Liebhaber hier das Eichendorff-Gedicht "Die Wünschelrute":
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt fängt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
Sloganismus oder die Verwerblichung der Tonspur
Sicher ist es nicht nur mir aufgefallen und geradezu aufgestoßen: In zahlreichen Fernsehbeiträgen oder Hinweisen zu denselben macht sich komischerweise gerade bei den Öffentlich-Rechtlichen mehr und mehr ein „Sprech“ breit, der in penetranter Form nach Werbespot klingt. Zu nennen wären hier zum Beispiel die Hinweise des ZDF auf seine Highlights im Rahmen eines „Langen Wintersporttages“ oder auch das über lange Zeit der profanen Werberei unverdächtige WDR-Magazin „Monitor“.
Auf erstere und viele andere ist sozusagen gepfiffen, in Sachen "Monitor" aber möchte ich am liebsten doch einmal persönlich fragen, ob Frau Mikich das nötig hat. Kommt sie sich dabei nicht albern vor? Findet sie es vielleicht sogar im Gegenteil irgendwie geil, sich der Sprache des "Feindes" zu bedienen, um ihn sozusagen mit seinen eigenen Mitteln schlagend, Leute zum Gucken von „Monitor“ zu bewegen, die ohne griffige Formulierungen und schmissige Slogans diese Sendung vielleicht schlichtweg nicht mehr aushielten?
Gut, viele Jahre der Korrespondenterei in Moskau können Entzugserscheinungen auslösen. Aber hat sie denn keine Freunde, die ihr sagen, dass so etwas eher peinlich als modern ist? Oder hat gar Frau Piel ihr freie Hand gegeben, und beide sitzen mit einem Gläschen Rotwein vor der MAZ und können sich vor Lachen kaum halten?
Dies alles sei gestandenen Medien-Machern und -Macherinnen gegönnt. Von meiner Seite aus jedoch muss ich bedauernd feststellen, dass die Verwerblichung von Trailern, Anmoderationen und Abspannen deutlich zunimmt. Dies geht mir erheblich auf den Wecker, und wundern würde es mich sehr, ginge es anderen gestandenen WDR-Rezipienten nicht ebenso.
Apropos WDR: Vor gefühlten fünf Jahren tatsächlich sind es aber eher 25 bis 30 gehörte WDR 2 zu meinen absoluten Lieblingssendern. Allein das „Mittagsmagazin“ war schon Anlass genug, bei ungünstigen Wetterlagen die Wurfantenne während 2 ¼ Stunden mehrmals umzuplatzieren, um nur ja nichts zu verpassen. Unvergessen zahlreiche Sendungen, in denen Klaus Jürgen Haller mit markanter Stimme und markigen Formulierungen das Zeitgeschehen unter die Lupe und phrasendreschende Interviewgeber aufs Korn nahm.
Ihm zur Seite, sprich an anderen Wochentagen, standen beispielsweise Gisela Marx, Rolf Buttler, ein damals noch etwas jungscher Klaus Kleber und ein noch jungscherer Tom Burow. Letzterer war, entsinne ich mich recht, in der Nachfolge von Haller und Kleber, denn auch ARD-Korrespondent in Washington. Haben Haller und Kleber die Zeit in USA wohl recht unbeschadet überstanden, so musste Burow nach seiner Rückkehr stracks ins Fernsehen und zu den „Tagesthemen“ nach Hamburch, wo er wie es aus gut informierten Kreisen verlautet seither unter dem Decknamen Tom Büro als smarter Buchhalter des Grauens werkeln darf. Furchtbar!